Machu Picchu, besterhaltene Inka-Stadt
inmitten einer überwältigenden Landschaft, thront unter
dem Kegel des 2743 Meter hohen Huayna Picchu über dem fruchtbaren
Urubambatal und bedeutet einen Höhepunkt unter den vielen
interessanten, sehenswerten Inka-Stätten der Umgebung. Schon
die Anreise zur „Stadt in den Wolken” ist ungewöhnlich,
denn es gibt keine Straße dorthin. Lediglich die Eisenbahn
schlängelt sich entlang des Rio Urubamba ins Dorf Aguas Calientes,
das Machu Picchu zu Füßen liegt. Über einen in
steilen Serpentinen angelegten Weg erreicht man schließlich
die lange verschollene Stadt.

Die zweite Möglichkeit
hinzugelangen ist zweifelsohne die anstrengendere. Vier Tage lang
führt eine Trekkingtour auf einem uralten Inkapfad zur größten
Touristenattraktion Südamerikas. Ungefähr 5000 Wanderer
entscheiden sich jährlich für diese Variante. Kaum jemand,
der anschließend nicht begeistert von den tropischen Schluchten,
steilen Pässen, schneebedeckten Bergen am Horizont und rauschenden
Bergflüssen schwärmt. Über teilweise gepflasterte
Treppenstufen, Tunnel, Stege und schwindelerregende Hängebrücken
erreicht der geübte Wanderer abgelegene Inka-Ruinen, die nur
auf diese Weise zu besuchen sind. Wenn man vom ehemaligen Kontrollposten
Intipunku den ersten Blick auf Machu Picchu erhascht, weicht die
Erschöpfung einem Glücksgefühl, denn von hier bietet
sich einer der spektakulärsten Eindrücke der gesamten
Anden.

Noch heute liegt Verwunschenes über
der Stadt, die erst im Juli 1911 vom Amerikaner Hiram Bingham entdeckt
wurde. Der in Honolulu geborne Archäologe suchte nach dem
geheimnisvollen Vilcabamba, das als sagenumwittertes Versteck des
Inka-Goldschatzes galt. Im Rahmen einer Expedition der Yale Universität
sprach er mit vielen Menschen in den Dörfern entlang des Rio
Urubamba, dem „Heiligen Tal der Inkas”. Ein junger
Einheimischer namens Melchor Arteaga führte ihn durch einen
schier undurchdringlichen Dschungel über einen Maultierpfad
zu einem Ort in 2400 Meter Höhe, an dem er auf eine Vielzahl überwucherter
Gebäudereste stieß. Bingham war überzeugt, Vilcabamba
gefunden zu haben. Tatsächlich entdeckte er zufallig die ebenfalls „verlorene” Stadt
Machu Picchu, die vor dem Zugriff und der Zerstörung der spanischen
Eroberer verschont geblieben war, weil sie nichts von ihrer Existenz
wussten.
|